Gitarre spielen(d) lernen

Einige Anmerkungen

 

"Wenn man über das Durchschnittliche hinausgehen will, muss man sich der Musik in einer Art hingeben, die man nicht von einem Durchschnittsbürger verlangen kann". (Karlheinz Essl)

 

Im Internet gibt es inzwischen sehr viele, mitunter recht gute, Schulen die es dem Gitarrenfreund einfach machen soll, sein Instrument schnell spielen zu lernen. Sie verheißen oft schnelle Erfolge, aber Lernen impliziert auch einen Zeitaufwand. Das wird durch die heutige Motivation, die an immer schnellere Erfolge gekoppelt ist, nicht mehr wahrgenommen.

Wer sich dem Instrument zuwendet, weil er gerade von einem ganz bestimmten Musikstück begeistert ist, hat zumindest schon mal einen Antrieb, der allerdings leicht in Frustration umschlagen kann, wenn die Hinwendung mehr dem zunächst zu schwierigen Musikstück als dem Instrument selbst gilt.

Musikalität hat Beständigkeit, Enthusiasmus und freudige Neugier sich mit dem Instrument spielerisch beschäftigen zu wollen; auch ohne Anleitung. Willst du cool, trendig sein, andere beeindrucken, oder liebst du dein Instrument, weil es dir Türen zu einer neuen Welt eröffnet, du mit ihm kommunizieren, seinen Geschichten lauschen möchtest? Dann wirst  Du eine neue, wunderschöne, bewegende Reise antreten, die nie enden und dir immer wieder neue Freuden, Freunde, Entdeckungen und Höhepunkte in deinem Leben verschaffen wird.

 


Die Anfänge(r) - Plektrum- oder Fingerspiel?

Oft trifft man auf die Empfehlung, als Anfänger mit einem Plektrum zu spielen; es wird suggeriert, man käme dadurch zu schnelleren Erfolgen. Das Plektrum ist ein äußerst präzises Werkzeug, mit dem sehr filigrane Anschlagstechniken möglich sind. Die Finger, auch der rechten Hand, sollten sich jedoch von Anfang an an die  Gitarren-Saiten gewöhnen. Umso einfacher wird man später neue Anschlagstechniken lernen können, weil der Focus bei der linken Hand bleibt, und die rechte Hand  intuitiv, frei, ja fast automatisch arbeiten kann.

Zumindest aber sollte man, wenn man nicht auf das Plektrum verzichten will, weil die E-Gitarre vielleicht das eigentliche zukünftige Wunsch-Instrument ist, zweigleisig fahren; Plektrum und Fingerspiel. Der Übende wird jedoch u.U. bemerken, dass das Plektrum nicht nötig ist, weil das, was  man  als Anfänger mit dem Plektrum machen kann, genauso gut und wahrscheinlich besser mit Daumen und Fingern zu bewerkstelligen ist.

Übungen zum Plektrumspiel gibt es auf dieser Seite.

 


Fingerübungen ohne Gitarre

Wir lernen zuerst die Grundakkorde und wie man auf unterschiedliche Weise die Saiten zum Schwingen bringt. Wir lernen Rhythmus und unterschiedliche Taktarten kennen.  Dabei bemerken wir mitunter auch, dass uns für gewisse Dinge  noch die Kraft fehlt. Wer nicht die Zeit und Muße hat, jeden Tag zu spielen, hat zusätzlich die Möglichkeit, Fingerübungen zu praktizieren, welche die Muskulatur stärken und die Finger kräftiger und geschmeidiger machen. Dies kann man tun bei Spaziergängen, in Bahn und Bus in der Jackentasche, oder auch vor dem Fernseher. In der kalten Jahreszeit werden davon zusätzlich die Finger warm ;-).

Demnächst an dieser Stelle ein paar Fingerübungen als Video.

 


Noten lernen ist einfach und macht Spaß!

Einen Liedtext lernt man rasend schnell, wenn man ihn immer wieder singt. Das bloße Auswendiglernen ist anstrengend und kostet mehr Zeit und Energie, als nötig. Genauso ist es beim Noten lernen; wir müssen nichts auswendig lernen! Schnapp dir eine Notenschule, und fange einfach damit an, die Schule konsequent von Anfang bis Ende durchzuspielen.  Immer mit Neugier und ohne Zwang. Das schöne dabei ist, du lernst Noten und Fingersatz, während du Gitarre spielst, so ganz "nebenbei"! Das Unwort Üben verwandelt sich in Spielen, und du lernst dein Instrument immer besser kennen. Dies braucht natürlich seine Zeit. Du wirst dabei viel Neues und Schönes entdecken, und wenn du damit fertig bist, wirst du wissen, wie man Gitarre lernt - spielend!

Unser Gehirn ist unendlich aufnahmefreudig. Es lernt am leichtesten durch Verknüpfungen, wenn, um beim obigen Beispiel zu bleiben, der Text mit einer Melodie verknüpft wird, oder eben das Noten üben mit Gitarre spielen. Das Gehirn lernt spielerisch, immer wieder sehr schön zu beobachten bei Kindern, die völlig unbefangen mit unterschiedlichsten Situationen und Aufgaben umgehen - spielerisch.

Und - es ist ein immenser Vorteil, wenn du im Proberaum zum Drummer sagst: "hey, ich hab da 'ne neue Idee, spiel doch mal 'n ¾ -Takt!",  und er das auch versteht. Wie nebenbei hast du dir nämlich auch noch musikalisches Grundwissen angeeignet, dass im Musikunterricht in der Schule oft so dröge war ;-) - dein Wissen bekommt nun einen direkten praktischen Bezug und Nutzen.

Als Autodidakt steht dir alles an Experimenten und Entdeckungen offen, es erschließen sich dir weite Betätigungsfelder, und du kommst bei Beharrlichkeit recht schnell zu Erfolgserlebnissen. Das Erlernen des Notenspiels erweitert  jedoch deine Spieltechnik und dein Repertoire beträchtlich. Du kannst dich in bestimmten Situationen besser verständigen und bist gegenüber rein auf Noten fixierten Spielern in deinem Spiel stilistisch flexibler und freier. Schließlich ist es von unschätzbarem Wert, wenn man sich Stücke, für die man sich  interessiert, anhand von Notensätzen erarbeiten kann, die einem sonst möglicherweise verschlossen blieben.

Der reine Notenspieler, der aus der klassischen Schule kommt lernt das, was er lernt, mit Gründlichkeit und Akkuratesse. Allerdings ist auch hier die Voraussetzung für Erfolg nicht nur Fleiß, sondern musikalische Begabung und Spielfreude. Wer nur Noten lernt, wird an seinen Noten buchstäblich hängenbleiben. Das Ausdrucksmittel der Musik ist der klingende Ton, den wir mit Bedacht erzeugen, nicht die geschriebene Note.

 


Der kleine Grundkurs wird demnächst weiter aufgebaut. Es folgen kurze Videos für Fingerübungen mit und ohne Gitarre und weitere Übungen für Fortgeschrittene.